W
ÜSTENBERG

Kanzlei für Wirtschafts- und Verkehrsmarktrecht




 START
 ANWALT
 LEISTUNGEN
 HONORAR
PUBLIKATIONEN
 PRESSE
 IMPRESSUM
 
 
Wettbewerbsrecht 
Eisenbahnrecht 
Seilbahnrecht 
Personenbeförderungsrecht 
 Taxirecht 
   






Personenbeförderungsrecht
 

 
 

 
 
Beispiele:
 
     Änderung des Personenbeförderungsgesetzes in 2021
 

     Gesetzespaket "Gesetz zum autonomen Fahren" in 2021
 
     ÖPNV, Carsharing, Seilbahnen, Taxi u.a.
 
Innovationen im ÖPNV 2021
Das (gewerbliche) Personenbeförderungsrecht, historisch entstanden aus der Gewerbeordnung (GewO) ordnet den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Von Lobbyisten wird gefordert, sog. innovative Mobilitätskonzepte zu entwickeln. Was dem einen "innovativ" ist, ist dem anderen der Wegfall der "Daseinsvorsorge" (in Sachen Mobilität). Das neue Personenbeförderungsrecht wird ab dem 1. August 2021 in Kraft treten. Die Änderungen stehen jetzt im BGBl. I 2021, Seiten 822 bis 832. Neu sind zwei Verkehrsarten, welche es als normierte Verkehrsarten bisher nicht gab: der Linienbedarfsverkehr (Linienverkehr) und der gebündelte Bedarfsverkehr (Gelegenheitsverkehr).
 
Der Linienbedarfsverkehr ist nach § 44 S. 1 PBefG ein Verkehr, der erstens Linienverkehr i.S.d. § 42 PBefG, zweitens ÖPNV i.S.d. § 8 Abs. 1 PBefG sowie drittens ein Verkehr ist, „der der Beförderung von Fahrgästen auf vorherige Bestellung ohne festen Linienweg zwischen bestimmten Einstiegs- und Ausstiegspunkten innerhalb eines festgelegten Gebietes und festgelegter Bedienzeiten dient.“
 
Der gebündelte Bedarfsverkehr ist nach § 50 Abs. 1 S. 1 bis 3 PBefG „die Beförderung von Personen mit Personenkraftwagen, bei der mehrere Beförderungsaufträge entlang ähnlicher Wegstrecken gebündelt ausgeführt werden. Der Unternehmer darf die Aufträge ausschließlich auf vorherige Bestellung ausführen. Die Genehmigungsbehörde kann … bestimmen, dass Fahrzeuge … nach Ausführung der Beförderungsaufträge unverzüglich zum Betriebssitz oder zu einem anderen geeigneten Abstellort zurückkehren müssen, es sei denn, die Fahrer haben vor oder während der Fahrt neue Beförderungsaufträge erhalten.“
Beide Verkehrsarten konkurrieren künftig mit a) dem klassischen Linienbus bzw. b) dem Taxiverkehr und dem Mietwagenverkehr. Sie müssen sich in das ÖPNV-Netz einfügen, so die Rechtstheorie.
 
 
Autonomes Fahren 2021 als Teil des ÖPNV
Im Gesetzgebungsverfahren 2021 befindet sich noch der „Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Straßenverkehrsgesetzes und des Pflichtversicherungsgesetzes – Gesetz zum autonomen Fahren“ (BT-Drs. 19/27439). Die Zukunft gehört dem autonomen Fahren. Die Potenziale dieser Technologien sollen genutzt werden: „Der Einsatz automatisierter, autonomer, also führerloser und vernetzter Kraftfahrzeuge im öffentlichen Straßenverkehr wird ein wesentlicher Bestandteil der zukünftigen Mobilität sein.“ (BT-Drs. 19/27439, Seite 15). „…Mobilitätskonzepte, die neben gewöhnlichen Verkehrslösungen (z.B. im Linienverkehr) auch individuelle Möglichkeiten bieten, um Personen etwa von der Haustür abzuholen und an den jeweiligen Bestimmungsort zu bringen. Damit kann nicht zuletzt die soziale Inklusion gestärkt werden, denn der Einsatz führerloser Kraftfahrzeuge unterstützt mobilitätseingeschränkte Personen – wie alle anderen Bürgerinnen und Bürger auch – bei der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Dies gilt insbesondere auch in strukturschwachen und ländlichen Regionen.“ (BT-Drs. 19/27439, Seite 15).
Das autonome Fahren diene der Verkehrssicherheit: „Die große Mehrheit aller Verkehrsunfälle in Deutschland beruht auf menschlichem Fehlverhalten. Trotz verkehrssicherer Fahrzeuge kommt es weiterhin zu schweren Unfällen, oftmals mit schlechter geschützten Verkehrsteilnehmern, wie etwa Fußgängern oder Fahrradfahrenden. Dazu bedingt der demografische Wandel, dass zunehmend ältere Menschen am Straßenverkehr teilnehmen, um mobil bleiben zu können. Sie stehen bei der Nutzung der verschiedenen Verkehrsmittel oftmals vor Herausforderungen, um zum Beispiel passende Mobilitätsangebote im öffentlichen Personennahverkehr zu finden (Niederflurfahrzeuge, Erreichbarkeit von Haltestellen). Kraftfahrzeuge mit autonomer Fahrfunktion können aufgrund der reaktionsschnelleren Technik die Verkehrssicherheit erhöhen.“ (BT-Drs. 19/27439, Seite 15).
Die Gesetzesänderung bewirkt, dass das autonome Fahren nicht mehr als sog. Erprobungsbetrieb genehmigt zu werden braucht, sondern als Regelbetrieb, d.h. Standard, genehmigt werden wird.
 
 
Zur Entstehung der ÖPNV-Gesetze der Länder
Für den ÖPNV sind seit 1996 die Länder zuständig. Zu dem Beispiel Bundesland Berlin: "Die S-Bahn Berlin beruht in ihrer heutigen Form auf dem Einigungsvertrag vom 31. August 1990. Seit 1995 wird sie von der S-Bahn Berlin GmbH betrieben. Diese gehört heute als 100%-ige Tochter der Deutschen Bahn Regio AG zum Konzern Deutsche Bahn AG, deren Anteile wiederum vollständig die Bundesrepublik Deutschland hält. Das Bundesgesetz zur Regionalisierung des öffentlichen Personennahverkehrs vom 27. Dezember 1993 (BGBl. I S. 2378, 2395) übertrug entsprechend den durch Art. I des Gesetzes zur Änderung des Grundgesetzes vom 20. Dezember 1993 (BGBl. I S. 2089) neu eingefügten Vorschriften der Art. 87e Abs. 1 Satz 2, Art. 106a und Art. 143a Abs. 3 GG zum 1. Januar 1996 die Aufgaben- und Finanzverantwortung für den öffentlichen Schienenpersonennahverkehr der bisherigen Bundeseisenbahnen vom Bund auf die Länder. Berlin setzte die bundesrechtlichen Vorgaben durch das Gesetz über die Aufgaben und die Weiterentwicklung des öffentlichen Personennahverkehrs im Land Berlin (ÖPNV-Gesetz) vom 27. Juni 1995 (GVBl. S. 390) um. Darin sind die Ziele und Anforderungen für den öffentlichen Personennahverkehr festgelegt und die Aufgabenträgerschaft, die Zuständigkeiten, die Nahverkehrsplanung, die Finanzierung sowie die Bildung eines Verkehrsverbundes für den Personennahverkehr geregelt. In Umsetzung dieses Gesetzes bildete Berlin mit dem Land Brandenburg sowie den brandenburgischen Landkreisen und kreisfreien Städten einen Verkehrsverbund (VBB Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg GmbH). Das Schienennetz der zum Verkehrsverbund gehörenden S-Bahn reicht bis ins Brandenburger Umland. Es umfasst ca. 331 km mit 166 Bahnhöfen, davon liegen rund 75 Kilometer und 34 Bahnhöfe in Brandenburg. Die Länder Berlin und Brandenburg schlossen Ende August 2004 mit der S-Bahn Berlin GmbH den bis zum Jahr 2017 laufenden und mit Vertrag vom 11. Oktober 2010 geänderten „Verkehrsvertrag über die Bedienung der Strecken im S-Bahnverkehr in der Region Berlin/Brandenburg“ (im Folgenden: S-Bahn Verkehrsvertrag), der durch einen weiteren ab Januar 2012 geltenden Verkehrsvertrag (Verkehrsvertrag Mehrleistungspaket) ergänzt wurde." (VerfGH Berlin, Urt. v. 13.05.2013 - VerfGH 32/12, Rn. 2, openJur 2013, 24429).
 
 
Gesetze
PBefG = Personenbeförderungsgesetz des Bundes. Das PBefG enthält die meisten Vorschriften. Es regelt das Recht der Linienbusse, Straßenbahnen, Fernbusse, Mietomnibusse, Taxis und Mietwagen. Zum Taxirecht siehe Taxirecht. Die ÖPNV-Gesetze der Länder ergänzen das PBefG. Zum Beispiel das ThürÖPNVG = Thüringer Gesetz über den öffentlichen Personennahverkehr (ThürÖPNVG). 
Andere Gesetze am Rande sind z.B. das Elektromobilitätsgesetz (EmoG) und das Straßenverkehrsgesetz (StVG).
Gesetze oder Richtlinien zur finanziellen Förderung des ÖPNV in Thüringen (Förderungsübersicht)
 

 
Fernsehen
ZDF, Sendung „Leschs Kosmos“, Titel „Kein Stau und gute Luft: Mobilität mit Zukunft“ vom 11.05.2021 (Video).
ZDF, Wundermittel Wasserstoff – Bringt die saubere Energie mehr Klimaschutz?“ vom 25.04.2021 (Video).
ZDF, Sendung „plan b“, Titel „Fliegen, fahren, schweben – Der Verkehr der Zukunft“ vom 01.05.2021 (
Video).
ZDF, Sendung „plan b“, Titel „Stadt ohne Smog – Neue Ideen für saubere Luft“ vom 16.11.2019 (Video).
ZDF, Sendung „planet e.“, Titel „Europas dicke Luft“ vom 12.05.2019. Panik und Ungewissheit, Feinstaub und Fahrverbote, Grenzwerte und Stickoxid-Tote. Wie groß ist die Gefahr aus der Luft tatsächlich?
WDR, Sendung "Planet Wissen", Titel "Pendeln – Wann macht uns der Weg zur Arbeit krank?", vom 17.10.2019.
NDR, Sendung „Pendler-Frust im Norden“ vom 23.09.2019 (Video).
NDR, Sendung „Die Reportage“, Titel „Pendler-Wahnsinn im Norden“ vom 14.06.2019.
ZDF, Sendung „planet e – Seilbahn und Flugtaxi – Wege aus dem Verkehrskollaps?“ vom 10.03.2019. Staus und verstopfte Straßen in den Großstädten. Mit Seilbahnnetzen und futuristischen Lufttaxis eine Verkehrswende?
ZDF, Sendung „plan b“, Titel: „Fahren ohne Fahrschein“ vom 30.05.2018. Verstopfte Städte, verspätete Busse, teure Tickets – Alltag in Deutschland. Geht das auch anders? Könnte ein kostenloser öffentlicher Nahverkehr helfen?
ARD, Sendung "Exclusiv im Ersten", Titel "Mit Vollgas in den Verkehrskollaps", vom 30.07.2018. Zu den unwahren „Versprechungen“ der Industrie/Lobbyisten. Fahrräder und Autos zum Mieten wie E-Bike, Carsharing und Ridesharing bringen nur noch mehr Fahrräder und Autos auf die Straßen. Der ÖPNV bleibt auf der Strecke?
 
 
Fachaufsätze
Zur vollständigen Auflistung siehe Publikationsliste.
Wüstenberg, Linienbusse und Mitfahrtaxis auf Bestellung, ... (Juli/August).
Wüstenberg, Recht oder Gewohnheit an der Taxi-Haltestelle?, in: NZV 2021, S. 130-133.
Wüstenberg, Konsequenzen der Standplatzpflicht-Entscheidung des BVerwG für Taxiordnungsgeber und Genehmigungsbehörden, in: BayVBl. 2021, S. 150-154.
Wüstenberg, Der ruhende Taxiverkehr in Unruhe – Teil I, in: GewArch 2020, S. 8-12; Der ruhende Taxiverkehr in Unruhe – Teil II, in: GewArch 2020, S. 55-59.
Wüstenberg, Gebot des Bereitstellens auf Taxiständen verfassungswidrig?, in: NVwZ 2019, S. 1482-1486.
Wüstenberg, Carsharingrecht von Bund und Ländern, in: GewArch 2019, S. 409-414.
Wüstenberg, Gemeingebrauch von Privatstraßen, in: NZV 2019, S. 511-516.
Wüstenberg, Taxiverkehr ohne Straßenverkehrsrecht?, in: NZV 2019, S. 76-82.
Wüstenberg, Das Kölner Taxi im Wettbewerb – Rechtsbruch und gezielte Behinderung im privatrechtlich organisierten Taxiverkehr?, in: KSzW 2017, S. 153-160. [Die Zeitschrift ist in 2017 eingestellt worden.]
Wüstenberg, Eingriff in das Taxigewerbe durch zeitliche Begrenzungen der Vertragsfreiheit, in: GewArch 2017, S. 331-333.
Wüstenberg, Grenzüberschreitender Mietwagenverkehr vom Inland aus – nach Österreich und in die Schweiz, in: RdTW 2017, S. 91-96.
Wüstenberg, Berliner Taxirecht zur bargeldlosen Entgeltzahlung rechtswidrig?, in: LKV 2015, S. 352-356.
Wüstenberg, Die Pkw-Energieverbrauchskennzeichnung im Internet – aktuelle Rechtslage und Rechtsprechung, in: WRP 2014, S. 533-540.
 
 
Formulare
Formulare bzgl. Personenbeförderung in Thüringen beim Landesverwaltungsamt (Formulare PBefG und ÖPNVG)
 
 
Links
Forschungsstelle Verkehrsmarktrecht an der Universität Jena, Fakultät Rechtswissenschaften.
Landesverwaltungsamt Thüringen (für Personenbeförderungsrecht)
 
 
 
Offenbach am Main, 15.06.2021
 
Copyright obiges Foto: pixabay.com/de